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Drama auf Netflix: God's Own Country

Karg und rau: Die schottische Kühle von Yorkshire wird zum Spiegelbild zweier junger Männer, die sich gegen ihre unterdrückten Gefühle nicht mehr wehren können. Regisseur Francis Lee lässt in seinem beeindruckendem Drama "God's Own Country" Zweifel, Sehnsucht und Liebe schmerzlich spürbar werden. Eine vielleicht zu oft erzählte Geschichte mit Nachhall.


  • Kinostart war am 26.10.2017.
  • Der Film lautet im Original God's Own Country.
  • Produziert 2017 in Großbritannien.
  • Laufzeit beträgt 104 Minuten.
  • Regie führt Francis Lee.
  • In den Hauptrollen spielen Josh O'Connor, Gemma Jones, Alec Secareanu und Ian Hart.
  • Für alle Fans des Drama-Genres geeignet.
  • Trailercheck am Ende des Beitrags!

Die Zeiten sind hart für den landwirtschaftlichen Betrieb von Johnnys Vater Martin (Ian Hart). Die glorreichen Zeiten der Schafzucht sind längst vergangen, die Arbeit ist zu zweit kaum zu schaffen und das Leben in der Einsamkeit des schottischen Hochlands hat nicht nur körperliche Spuren hinterlassen. Als Johnnys kranker Vater einsieht, dass die Arbeit nicht mehr allein zu bewältigen ist, holt er den rumänischen Gastarbeiter Gheorghe (Alec Secareanau) als Aushilfe auf die Farm, was Johnny (Josh O'Connor) ganz und gar missfällt. Schon nach dessen Ankunft muss der schweigsame aber latent aggressive Johnny mit Gheorghe für mehrere Tage in die Berge fahren und das Lammen überwachen. Von Spannungen geprägt, wird der Trip in die raue Landschaft eine Offenbarung für Johnny.

 

Während Gheorghe die neue Zuneigung des emotional überforderten und unbeherrschten Johnny mit Gelassenheit erträgt, kämpft sich der Hitzkopf durch ein inneres Martyrium, das seine Welt aus dem Gleichgewicht bringt. Dem unterdrückten Drang nach Liebe und Geborgenheit eines Mannes stehen die konservative Haltung seiner Familie und der innere Konflikt des Ausbrechens gegenüber. Stellt er sich dem neuen, aufkeimenden Gefühl von Zuneigung? Will Johnny neue Perspektiven kennenlernen? Kann eine Liebe in dem entbehrungsreichen Umfeld funktionieren?

Angst vor den eigenen Wünschen

Das Langfilmdebüt von Francis Lee "God’s Own Country" zeigt die authentische Aufarbeitung eines zerrissenen Mannes, der sich in der kargen Einöde seiner Heimat eingerichtet hat und sich doch nach neuen Perspektiven verzehrt. Schon zu Beginn lässt sich schnell erkennen, dass sich hinter dem männlichen, aggressiven Erscheinen von Johnny nur ein Hilfeschrei verbirgt. Schneller, bedeutungsloser Sex auf einer Kuhauktion gehört für ihn ebenso dazu wie die anschließende Abneigung gegenüber seinem Sexpartner, wenn dieser nach einem Wiedersehen fragt. Das Akzeptieren einer homosexuellen Verbindung? Für Johnny undenkbar. Schon gar nicht im Hinblick auf die Erwartungshaltung seiner Familie.

 

Das unterkühlte Familienverhältnis lässt Johnny auch keinen Freiraum. Der kranke Vater will nicht mehr als einen Sohn, der die Arbeit schafft und keine Widersprüche leistet. Zwischen Vater und Sohn gibt es kaum einen Grund, der Anlass für Gespräche gibt. Lediglich harsche Kritik und Zurechtweisung werden ausgetauscht. Auch die auf dem Hof lebende Großmutter geht engstirnig und stoisch ihrer Arbeit nach. "Was getan werden muss, muss getan werden" lautet das unausgesprochene Motto, dem alle nachgehen. Ohne Hinterfragen, ohne Blick in die Zukunft, ohne Chance auf die eigenen Wünsche.

Liebe vs. Selbsthass

Mit Auftauchen von Gheorghe zerbricht Johnny innerlich an seinen eigens errichteten Mauern. Um seine Gefühle zu kaschieren, tritt Johnny dem stillen Mann mit vorgetäuschter Überlegenheit und Arroganz gegenüber, was Gheorghe kaltlässt. Es ist genau diese stille Gelassenheit, die Johnny komplett aus der Bahn wirft. War er bisher der dominante Part in seinen kurzlebigen Liebschaften, die nach seinen Ansagen tanzten, so erhält er von Gheorghe nicht einmal eine Antwort auf sein aggressives Verhalten. Für Johnny eine neue Erfahrung; generiert er doch damit wenigstens Aufmerksamkeit. Die Eskalation folgt jedoch überraschend, die Johnny zwingt zu seinen Gefühlen zu stehen und einen ungewollten Befreiungsschlag auslöst.

 

Der tiefe Wunsch nach gegenseitiger Liebe entwickelt sich zu einer geheimen Beziehung zwischen Johnny und Gheorghe. Die äußerlichen und inneren Herausforderungen der Umstände geben der Liebe zwischen den Männern kaum eine Chance. Berechtigte Zurückweisung, Kompromisse der Erwartungen und der eigene Selbsthass versperren Johnny den Weg in glückliche Momente. Der Kampf aus seinem engen Korsett, in welchem er nie den Umgang mit Emotionen und Konsequenzen erfahren musste, bildet dabei die größte Prüfung für ihn an dessen Ende eine schmerzhafte Erkenntnis steht.

 

Der ungeschönte Blick auf eine Liebe zwischen zwei Männern, die in einer verständnislosen Umgebung seinen Ursprung findet, hebt sich von ähnlich erzählten Filmen wie "Brokeback Mountain" deutlich ab. Schmerzvoll, nah und kompromisslos bringt das Drama das aussichtslose Ringen um leidenschaftliche Liebe auf die Leinwand, in der die Hauptfigur Protagonist wie Antagonist ist.

 

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Bildcredits: Salzgeber & Co. Medien